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INTERVIEW

 

 

INTERVIEW INES VAN MEENEN

 

 

PLATZ GENOMMEN BEI INES VAN MEENEN

 

Im Blankeneser Baurs Park wohnt Ines Van Meenen mit ihrem Mann in einer Elbhang-Villa von 1924. Das denkmalgeschützte Haus haben Van Meenen, die selbst Interior-Profi ist, und ihre Architektinnen Beate Kirsch und Anja Bremer in liebevoller Kleinstarbeit zu neuem und altem Glanz geführt. Für unsere Interviewreihe, aber auch für Rundgänge mit Architektur- oder Denkmalschutz-Schwerpunkten öffnet Frau Van Meenen ihre Haustür. Man wird begrüßt von einer warmherzigen Frau, die so wunderbar entspannt und zugänglich ist, dass man noch in der Haustür ein Gefühl von Ankommen spürt. Genauso sympathisch hat sich die Hausherrin den Details der historischen Räume hingegeben, sich mit allen Details beschäftigt und deren Herkunft hinterfragt. So hat sie beispielsweise zu Beginn der Umbauphase auf dem Wohnzimmerboden gelegen und den grafischen, minimalistischen Stuck auf sich wirken lassen, um sich vorzustellen, wieso der Erbauer dieses Hauses die Deckenverzierung so fundamental anders gestaltet hat, als es damals Mode war. Der Architekt hatte Anfang des 20. Jahrhunderts das Recht bekommen, zehn Häuser im Baurs Park zu erbauen. Seinen privaten Sommerwohnsitz baute er auf dem schönsten Grundstück mit dem besten Blick – das heutige Zuhause der Familie Van Meenen.

 

Freifrau: Frau Van Meenen, vielen Dank, dass wir uns mit Ihnen in Ihrem Haus umsehen dürfen. Sie haben sich einer besonderen Aufgabe gestellt: der Restauration eines denkmalgeschützten Hauses. Wie war das für Sie?
Van Meenen: Das war wahnsinnig interessant. Jeden Tag eine neue Aufgabe. Wir, also die Architektinnen und ich, haben in dieser Zeit so viel gelernt. Wahrscheinlich gerade deshalb, weil wir versuchten, nicht nur so viel wie möglich zu erhalten, sondern auch wiederherzustellen und „ins Heute“ zu holen. Der Altbau war sehr kleinteilig, den haben wir etwas aufgelockert und einen Neubau angelegt. Innerhalb des Hauses haben wir das alte Gemäuer des Altbaus freigelegt – der historische Außenputz bringt Alt und Neu im Inneren harmonisch zusammen. Diese alten Mauern tragen wahnsinnig viel zur Atmosphäre im Haus bei.

 
Freifrau: Als Sie und Ihr Mann das Haus besichtigt haben, muss es sich wie aus einer anderen Welt angefühlt haben. Gerade bei sehr verwinkelten Häusern benötigt es ja einiges an Vorstellungskraft und Phantasie. Offensichtlich haben Sie sich aber für das Haus entschieden – was war da der ausschlaggebende Punkt?
Van Meenen: Passend zum Hamburger Wetter hatten wir am Tag der Besichtigung einen Regentag. In dem Fadenregen konnte man das Haus von Weitem kaum sehen. Das Innere hat uns an diesem Tag auch nicht viel mehr begeistert als das Wetter. Letztlich haben wir aber nicht mehr als 24 Stunden benötigt, um uns für das Haus zu entscheiden. Denn dieser besondere Ort und der Moment, als wir aus dem Haus heraustraten und aufs Wasser schauten – das war einfach besonders und hat uns beide verzaubert. So sehr, dass uns die Entscheidung für das Haus – trotz des Regenwetters – so unglaublich leichtfiel.
Freifrau: Das Ergebnis ist bewundernswert schön! Man sieht jedem Raum an, wie viel Arbeit Sie in die Planung und Umsetzung dieses Hauses gesteckt haben. An jeder Ecke fällt ein besonderes Detail auf.
Van Meenen: Mir war wichtig, dass es hier nicht steril wirkt. Ohne, dass ich es forciert hätte, hat das Haus seinen eigenen Charakter entwickelt. Es liegt eine Spannung in den Räumen, der wiederum ich mir sehr bewusst bin, die aber keinem Plan unterliegt. In meinen Augen – auch aus professioneller Sicht – muss sich das ganz natürlich aus den Bewohnern entwickeln, denn so wie jeder Mensch einen Charakter hat, so muss sich dieser auch in dem Haus widerspiegeln, in dem er lebt. Wenn ich beruflich die Häuser anderer Menschen einrichte, dann würde ich das niemals im Alleingang machen – gerade Plätze, an die die Bewohner den geliebten Lesesessel stellen möchten, um sich mit einem Buch zu entspannen, also Lieblingsplätze, sind oft solche, die man erst entdeckt, wenn man in dem Haus gelebt hat.

 

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INTERVIEW INES VAN MEENEN

 

 

„Dieser besondere Ort und der Moment, als wir bei der Besichtigung aus dem Haus heraustraten und aufs Wasser schauten – das hat uns beide verzaubert und die Entscheidung für das Haus so leichtgemacht!“

INES VAN MEENEN

 

 

Freifrau: Eine schwierige Frage bei einem Projekt, in das Sie so viel Leidenschaft gesteckt haben, aber wir fragen trotzdem: Was ist das Herzstück dieses Hauses?
Van Meenen: Würde man unsere Handwerker fragen, würden die keine Sekunde zögern und die Treppe nennen, die in das mittlere Stockwerk führt. Auch ich empfinde die Treppe als Highlight. Handwerk liegt mir sowieso am Herzen und speziell bei diesem Stück bin ich begeistert, was hier geleistet wurde. Die Schalungskonstruktion wurde vor Ort gebaut und die Treppe in einem Stück mit Beton gegossen. Dann noch mit weißem Kalk-Marmormehl belegt. Das war schon eine besondere Arbeit; zu der Treppe gehört aber noch ein zweites Gewerk, und zwar der Handlauf aus Edelstahl, der in sich gedreht ist und dessen Biegung wir von einem Metallkonstrukteur berechnen lassen haben. Ein absolutes Stahlbau-Meisterwerk. Es war auch schön zu sehen, dass wir hier etwas in Auftrag gegeben haben, das unsere Handwerker – ganz ohne Übertreibung – so stolz gemacht hat, dass sie Tränen in den Augen hatten. Die waren so happy. Das war ein tolles Gefühl! Es kommt auch schon mal vor, dass sie klingeln und fragen, ob sie Frau und Familie ihre Arbeit einmal zeigen können. Wenn ein Objekt so künstlerisch und mit so vielen schönen Emotionen verknüpft ist, dann hat es den Titel „Herzstück“ absolut verdient.

Freifrau: Das Zimmer im oberen Stock mit Sicht auf die Elbe ist Wohnzimmer, Esszimmer, Kaminzimmer und kleines Büro in einem. An dem großen runden Tisch haben Freifrau-Stühle ihren Einsatz gefunden. Erzählen Sie uns etwas über diese Essecke. Wieso ist die Entscheidung auf unser Leya-Modell gefallen?  
Van Meenen: Zu Beginn des Umbaus wohnte ich noch in Essen – von dort habe ich versucht, die richtigen Dinge für das Haus zusammen zu stellen. Natürlich hatte ich Zeitschriften gekauft und das Internet zur Recherche genutzt – letztlich habe ich Freifrau aber als Newcomer auf der Kölner Messe das erste Mal erlebt. Für mich gibt es keinen anderen Stuhl, auf dem man direkt so entspannt sitzt, das Bein über die Lehne legt oder sogar mal im Schneidersitz sitzen kann. Ein weiteres Detail für mich ist das feine Gefühl des Leders und die sinnliche Form, wenn man mit den Händen außen am Stuhl entlanggleitet. Da war meine Entscheidung gefallen. Die Leuchte habe ich bei B&B Italia auf einem Foto entdeckt – auf der Illustration war sie bunt, ich konnte sie mir aber nur in weiß vorstellen. Der Hersteller, Wästberg, hat das dann für uns umsetzen können. Der Tisch bzw. das Untergestell ist von Arper mit einer in Sondergröße angefertigten Platte. Jeder, der in dieser schönen, alten Architekturrundung sitzt und dabei beruhigt aufs Wasser blickt, schwärmt von dem Stuhl, auf dem er sitzt. Auch Schneidersitz kam tatsächlich schon vor!

 

Liebe Frau Van Meenen, vielen Dank für den entspannten Vormittag bei Ihnen zu Hause. Es war uns eine absolute Freude!

 

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