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INTERVIEW

 

 

INTERVIEW BRITA PLATH

 

 

PLATZ GENOMMEN BEI BRITA PLATH

 

Will man die Fotografin Brita Plath in ihrem Apartment in Hamburger Stadtteil Harvestehude besuchen, steht man erst vor einer prächtigen Stadtvilla, bevor man im ersten Stock von der Hausherrin mit einem strahlenden Lächeln empfangen wird. Schon der erste Schritt in die Wohnung offenbart, dass die Fotografin, die mit ihrem Mann und den gemeinsamen Söhnen 328 Quadratmeter bewohnt, ein feines Gespür für Einrichtung hat. Die Wohnung ist großzügig geschnitten und die offene Architektur beruhigt das Auge. Alles ist genau durchdacht und auf einander abgestimmt - trotzdem liegt eine heimelige und lebhafte Atmosphäre in den Räumen. Für unsere Interviewreihe hat uns Brita durch ihr Zuhause geführt und von der Idee hinter ihrem Einrichtungskonzept und der Arbeit als Fotografin gesprochen.

 

Freifrau: Welchen Gedanken hast du bei der Einrichtung eurer Wohnung verfolgt?
Plath: Ich habe mir eine Einrichtung im Hotelstil gewünscht. Ich liebe Designhotels und wollte das Lebensgefühl auf meinen Alltag übertragen. Vielleicht kennst du das: Man war in einem tollen Hotel zu Gast, wo Badezimmer, Schlafzimmer und Wohnzimmer so wunderbar durchdacht und aus einem Guss sind. Alles hat seinen natürlichen Platz und erfreut das Stilgefühl. Danach bin ich oft nach Hause gekommen und habe meine Wohnung als unfertig empfunden – oder man könnte sagen, dass ich die Idee vermisst habe, die alles zusammenhält. Inspiriert haben mich vor allem Berliner Hotels wie das Stue, das Sir Savigny und das Hotel Zoo.

 
Freifrau: Wie bist du dann bei der Einrichtung vorgegangen?
Plath: Wegen einer bestimmten Tapete haben wir den Inneneinrichter Frank Otto von Frank Otto Living angerufen. Er hat uns in unserer Wohnung – die noch weit davon entfernt war, fertig zu sein – besucht. Er hatte direkt eine Vorstellung. So haben wir dann angefangen mit ihm zu arbeiten. Ich habe ihm von dem Hotelstil erzählt, den ich im Kopf hatte, und wir sind mit einzelnen Dingen gestartet. Um von unserem Esszimmer zu sprechen: Hier haben wir mit der Lampe angefangen, die ganze 3 drei Monate hing, bevor wir den Tisch gefunden haben und letztlich dann die Stühle.
Freifrau: Scheint ein langer Prozess gewesen zu sein. Welche Ansprüche hattet ihr denn an die Stühle, dass es am Ende unser Modell Leya geworden ist?
Plath: Der Anspruch an die Stühle war ziemlich klar – die müssen bequem sein! Mein Mann kocht wahnsinnig gerne und gut, wir haben viel Besuch und auch als Familie sitzen wir gerne gemeinsam am Tisch. Wir brauchen also Stühle, die richtig gemütlich sind und in die man sich reinfläzen kann, und zwar bis morgens um fünf, wenn wir Lust haben. Die Geschichte, wie wir Freifrau-Stühle gefunden haben, ist interessant. Zur Bemusterung hatte Frank Otto insgesamt drei Stühle mitgebracht, die wir schon getestet hatten, bis er wiederkam und einen Freund mitbrachte. Wir saßen dann zu dritt auf der Fensterbank im Erker, schauten uns die Stühle an und wussten: Die passen nicht ganz! Wir konnten aber nicht sagen, woran wir das festmachten. Franks Gast fing dann an, auf einem Zettel einen Stuhl zu skizzieren, bis er innehielt und uns sagte, welcher Stuhl in seinen Augen der richtige sei. Das war dann genau der Leya in dem Leder und der Farbe, wie wir ihn nun hier stehen haben. Der Gast war übrigens Jan Wichers, der ebenfalls Innenarchitekt ist. Ein totaler Superarchitekt, der da bei uns saß, und ich wusste es nicht! Ich habe dann später seine Projekte gegoogelt und bin seither ein absoluter Fan von ihm. Ich finde seinen Geschmack einfach grandios! Über die Leya-Stühle sind wir dann übrigens auch zu den Kya-Hockern in der Küche gekommen.

 

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INTERVIEW BRITA PLATH

 

 

„Ihre weiche Seite herauszukitzeln, ihnen ihre Stärke und Schönheit neu vor Augen zu führen – das berührt mich auch persönlich.“

BRITA PLATH

 

 

Freifrau: Super Geschichte! Eure Wohnung zeigt, dass du einen besonderen Sinn für Einrichtung hast und dich vieler Inspirationsquellen bedienst! Von Beruf bist du Fotografin – da wird dir das ja sicher auch sehr von Vorteil sein. Wann hast du angefangen zu fotografieren?
Plath: Als selbstständige Fotografin arbeite ich seit 13 Jahren. Ich habe in L. A. und in New York Business Administration studiert und habe zu der Zeit schon immer gerne Kurse belegt, die Fotografie beinhaltet haben. Die Studienrichtung entstammte meinem Elternhaus und nie meiner wahren Leidenschaft. Es gab auch eine Zeit, da dachte ich tatsächlich, dass ich das will. Aber als ich mit meinem ersten Sohn schwanger wurde, war für mich klar: Ich möchte jetzt meine Träume verfolgen. Nichtsdestotrotz bin ich für mein Studium im Nachhinein sehr dankbar. Ich habe gelernt, wie man mit Geld umgeht und wie man ein Business führt. Das ist in meiner Selbstständigkeit nun wahnsinnig viel wert! Freifrau: Wie hat sich deine Arbeit seither entwickelt?
Plath: Mein erster Auftraggeber war eine Kanzlei, in der ich alle Mitarbeiter fotografieren durfte. Die Anwälte rauschen rein, haben keine Zeit und müssen eigentlich zum nächsten Call. Die Menschen in dieser Situation aufzufangen, das Licht richtig zu setzen und die Fließbandbearbeitung im Nachhinein waren herausfordernd und gleichzeitig ein großartiges Effizienztraining. Ich hatte die Möglichkeit, in kurzer Zeit wahnsinnig viel Praxiserfahrung mitzunehmen. Nach und nach bin ich dann in die Produktfotografie eingestiegen – das war wieder eine neue Erfahrung, da es hier um ganze andere Dinge geht. Heute liebe ich es, Porträits mit Zeit und Muße anzufertigen.

Freifrau: Mittlerweile bist du bekannt für das Fotografieren von Frauen. Wie kam es dazu? 
Plath: Es macht mir total viel Spaß, mit Menschen zu arbeiten – vor allem mit Frauen. Ihre weiche Seite herauszukitzeln, ihnen ihre Stärke und Schönheit neu vor Augen zu führen – das berührt mich auch persönlich. Manchmal führt das dazu, dass die Frauen neue Impulse für ihr Leben mit nach Hause nehmen. Das macht mich unheimlich stolz und glücklich.

 

Freifrau: Welches Ziel hast du bei den Shootings mit Frauen? 
Plath: Meistens kenne ich die Frauen vorher nicht. Sie sind über Bekannte oder andere Firmen auf mich aufmerksam geworden und rufen mich dann an. Die meisten wissen nicht wirklich, was sie wollen. Es ist wohl eher ein subtiler Wunsch nach einer neuen Perspektive. Nach einer Trennung, einem Jobwechsel oder einem Zeitraum, in dem sich alles um die Kinder drehte, wollen sich diese Frauen mal wieder selbst sehen und spüren. Ich will, dass sie sich wieder schön fühlen und gleichzeitig das Gefühl vermittelt bekommen, dass sie sich auch schön fühlen dürfen! Stichwort Selbstliebe!
Freifrau: Wie kitzelst du das aus diesen Frauen heraus?  
Plath: Die meisten Frauen möchten gerne in Szene gesetzt werden, trauen sich aber selbst zu wenig zu, weil sie es nicht gewohnt sind, im Mittelpunkt zu stehen. Ab dem Moment, wo ich denke, herausgefunden zu haben, was mein Model sich wünscht, fange ich an und gebe ganz konkrete Anweisungen. Der Moment kann mit dem Umlegen eines Schalters verglichen werden – die Frauen trauen sich immer mehr und blühen total auf! Ich glaube, dass sich Frauen in meinem Alter ganz häufig vergessen haben. Zuhause kümmern sie sich liebevoll um ihre Kinder und im Job müssen sie gute Geschäftsfrauen sein und sich durchsetzen. Dabei vergessen sie ihre weibliche Seite und die entdecken wir gemeinsam wieder. Das klappt übrigens immer!
Freifrau: Was denkst du, ist dein Geheimnis?  
Plath: Das ist immer eine Entwicklung, Intuition, und nie ist ein Shooting wie das andere. Die ersten 30 Minuten verbringen wir meist mit Haaren, Make-up und Styling. Die ersten Bilder sind psychologisch wichtig – wir optimieren Haare, Make-up und Styling und ich merke dann genau, wenn wir an einem Punkt angelangt sind, an dem alles stimmt und mein Model sich richtig wohlfühlt. Dann beginnt die letzte Stunde, in der richtig gearbeitet wird.
Freifrau: Was ist die Botschaft deiner Bilder? 
Plath: Ganz klar, dass jede Frau eine weiche, weibliche Seite hat, die gezeigt werden darf.

 

Liebe Brita, vielen Dank für das inspirierende Gespräch!

 

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